Verfasst von: hebblog | 25. August, 2008

Schwimmen-Radfahren-Laufen

Das wird dann also schon wieder eine “Meine erste…”-Geschichte. Diesmal im Programm: ein sportives Highlight der Extraklasse, die ultimative Herausforderung für von Testosteron-Überschuss Geplagter. Eine Sportart, die es früher nicht gab, die Leute erfanden, den alles Bestehende nicht genug war. Triathlon. Mittlerweile olympisch. Und siehe da, mein erster Triathlon fällt just in die Zeit der Perfektionsspiele Beijings. Während Phelps und Bolt pharmazeutisch zu Leistungs-Mutanten aufgepimpt die unkritischen Massen verzückten, trainiert an einsamen Abenden in der Abgeschiedenheit einer schleswig-holsteinischen Provinzstadt ein leicht übergewichtiger Kopfmensch seinen zu lange vernachlässigten Körper. Vier Wochen beträgt die Trainingszeit. Erhebungen bietet meine Heimat nicht, Höhentrainingslager fallen damit aus. Man besorgt sich das nötige Equipment und allerlei Ratschläge des Mitstreiters. Das muss reichen. Gleichzeitig sieht man sich mit ungläubigen Fragen in seinem Umfeld konfrontiert: “Ist das euch beim Saufen eingefallen?” Die Unwissenden. Nein, hier steht ein Heroe mit einem seriösen Ziel. Ganz im Sinne Olympias. Dabei sein ist alles. Und anzukommen noch viel mehr. So gebe ich mich dem Kampf mit mir selbst hin, lauf fast allabendlich über ein leerstehendes Kasernengelände. Spät abends zumal häufig in der Dunkelheit ereilen mich in kurzen Schüben Gedanken an die Einsamkeit des Athleten. Das große Ziel vor Augen, verbessere ich meine Leistungsfähigkeit, nie wissend was wirklich auf mich zukommen würde.

Der große Tage ist da, im Oktober des Jahres 2008 B. C. Instruktion nach Hause, moralische Unterstützung wird einfgefordert. Ein ehemaliger Jugendnationalmannschaftsturner holt mich früh morgens ab. Papa hat ein schnelles Automobil. Die Fahrt nach Celle muss auch schnell gehen. Man ist mal wieder spät dran. Anweisungen per Telefon sorgen für Entspannung. Meine Startunterlagen werden vor Ort schon abgeholt, während wir noch über die A7 fliegen. Kurz nach 9 Uhr Ankunft im Stadion. Über 700 Teilnehmer, ein Spektakel. Orientierungslosigkeit bei mir, wohin, wer, wie, was??? In der Wechselzone aber ist mein Platz, das Fahrrad wird platziert. Fußweg zum Start. Der Amateur hat keine Schuhe hierfür. Gesichtsverrenkungen beim Gang über spitze Steine. Bernhard, erprobter Triathlet aus früheren Jahren, zeigt sich – für ihn völlig ungewohnt – als Altruist. Ich bekomme sein Schuhwerk. Da ist er nun plötzlich, der Ort der mir schlaflose Nächte bereitete. Die Aller. Ein kleines harmloses Flüsschen mit laut Internet 19 Grad Wassertemperatur an diesem Tag. Zumindest strahlt die Sonne. Der Startrichter ermahnt noch 2 Minuten bis zum kollektiven Drauflosschwimmen. Einen Fuß setze ich ins Wasser. Um mich rum Profis in Schwimmanzügen. Ich in Badehose, wie ein Camping-Urlauber. Ein unfassbar hässliches Unikat. Das man micht nicht auslacht, erscheint geradezu paradox. Aber egal, ich habe wahrlich genug mit mir selbst zu tun. Jetzt stehe ich schon bis zur Hüfte im Wasser, zittere und jammere.

Verfasst von: hebblog | 19. Juni, 2008

Meine erste Hochzeit

Sachen die mit “meine erste” anfangen sind geeignet, Kurioses zu erzählen. Filme heißen so und gerne auch Tier-Ratgeber wie “Mein erster Golden Retriever” oder “Mein erster Diskus zu Hause”. Mir fält immer die rot-dauergewellte Zonen-Gaby ein, die voller Stolz eine abgeschälte Gurke ins Bild hält und sagt: “Meine erste Banane”. Wie DDR-Bürger einstmals gen westliche Freiheit fuhr ich am vergangenen Wochenende ins nicht minder Unbekannte. Ziel: ein kleines Städtchen in außersten nordöstlichen Zipfel von Nordrhein-Westfalen. Mein erstes! Navigationsgerät, für deren Erfindung ich so dankbar bin, wie für die des Rades oder der Elektrizität, wies mir den Weg über diverse Landstraßen. Nicht, dass ich nicht schon einmal hier gewesen wäre und wüßte, dass es normal ist, dass in jeder Ortschaft zu dieser Jahrezeit auf übergroßen Plakten Schützen- und Dorffeste angekündigt werden. Mit diesen Festivitäten kenne ich mich aus, Karaffen trinken ist quasi eine Lieblingsdisziplin. Aber diese Übung war gänzlich neu: Die Hochzeit einer Freundin, meine allererste im zarten Alter von 32 Jahren. 

Pünktlich komme ich an, gehe zielbewusst auf die Kirche zu und sogar in sie hinein. Man soll mir meine Unsicherheit nicht anmerken. Niemand nimmt von mir Notiz. Ich schaue mit suchendem Blick, auf irgendeine Orientierung hoffend. Sie bleibt aus, ich setze mich beliebig in irgendeine Reihe an den Rand. Das Braupaar schreitet ein, der Pastor mit gutmütiger Geste baut sich vor ihnen auf. Ich stelle mit Erstaunen fest, eine kirchliche Hochzeit ist ein richtiger Gottesdienst. Ich mache mich klein, solle doch keiner mein Heidentum erkennen. Eine Art Programmheft der Trauung vermittelt mir schnell, dass auch noch gesungen wird. Dreimal setzt der Pastor an, der Chor der Hochzeitsgäste folgt zögerlich. Ich vergrabe mich in dem Liedtext, murmele mit. Ich traue mich nicht aufzuschauen. Dennoch die Zeremonie hat etwas Feierliches und Bedeutungsvolles. Melancholie machst sich bei mir breit.

Sie verfliegt. Vor der Kirche warten Spielmannszug und Feuerwehr, wer auch sonst. Sie haben den Schlauch in einem Bogen aufgespannt. Braupaar und Gäste stolzieren hindurch, ich stoße mir fast den Kopf. Dann der Gratulationschor, ich verstecke mich erneut. Wann ist es angemessen vorzutreten, bin ich doch einer der unwichtigen Gäste. Ich meistere auch diese Hürde. Kurz nehme ich noch Notiz vom parallel stattfindenden Stadtfest, lang wiederum ist die Suche nach meiner Pension in der Pampa. Selbst mein Navi ist überfordert. Krawatte gebunden, und schon geht es zurück. Die Hochzeit steuert auf ihren abendlichen Höhepunkt zu. Ort des Geschehens: Ein Gasthof. Beim Betreten sehe ich das für solche Lokalitäten unweigerliche Erkennunsgzeichen: Bundeskegelbahn. Wieder keine normale Kegelbahn. Seit Jahren frage ich mich schon, ob und wo es diese überhaupt gibt.

Die kruden Gedanken verfüchtigen sich, als ich den großen Saal betrete. 150 Gäste, gedeckte Tische, eine Bühne samt Band. Das macht was her. Nach recht zähem Rumgestehe setzt sich die gierige Meute, die vorher schon mit Sekt und Bier bei Laune gehalten wurde. An meinem Tisch gebe ich den großen Zampano. Schnell merke ich, mit meiner kosmopolitischen Attitüde kommt hier nicht jeder zurecht. Ich bin dankbar für wenigstens einen adäquaten Gesprächspartner. Der Rest lauscht dem großen Erzähler. Dann gesellt sich noch die Hochzeitsfotografin zu uns, die so gleich berichten muss, dass sie seit 20 Jahren auf Ehefeiern zu gegen ist und was man von dem, was hier passiert, zu halten hat. “Eine Hochzeit für die Verwandtschaft”, entfährt es ihr.

Das Menü wird aufgetischt, es ist fast schon zu sehr gut bürgerlich. Noch nichts gegessen über den Tag lass ich nichts aus. Der Suppenteller wird ein zweites Mal voll gemacht und beim Hauptgang, einer Melange von allerlei Fleisch, ist ein voller Teller dem Herren natürlich auch nicht genug. Vanilleeis mit Himbeersoße rundet das Ganze geschmackvoll ab. Dazu fließt das Bier in Strömen, In dieser Gegend trinkt man Barre Bräu, mit dem aus meiner Sicht unschlagbaren Slogan “Dein Herz erfreu”. Bei mir ist alles erfreut. Ein 0,2l Glas nach dem anderen wird geleert. Häufig fehlt der Nachschub. Das Gefresse und Gesaufe wird von einigen kurzen Reden unterbrochen, die derat unspiriert sind, dass ich mich fast fremd schäme, Auch fehlt es im Laufe des Abends an neckischen Hochzeitsspielen, auf die ich mich schon so gefreut hatte. Stattdessen steigen roten Ballons in Herzform auf, kitschig aber schön.

Die Band übernimmt das Ruder, das Brautpaar eröffnet den Tanz. Ständig Paartanz, ich bin friustiert, stehe am Rande, starre. Wird das heut abend noch was? Die Torte kommt, die Band verweist parallel leise auf das Mitternachtsbüffet. Was ist das denn? Ich luke als Erster um die Ecke und trauen meinen Augen nicht. Ein riesiges Büffet auf einem zehn Meter langen Tisch. Kalt und warm, es gibt einfach alles. Es ist 0.30 Uhr, man ist übersättigt, völlig träge und dann das. Da kann es nur vernünftige Antwort geben, den Teller nochmal zwei Mal so voll zu machen, wie es nur irgend geht. Lukullus hatte an dem Ganzen seine helle Freunde gehabt, mir vergeht sie schnell. Nach Beendigung der unüberlegten Tat bin ich vollkommen erschlagen, stöhne vor mich him und will mich nur noch hinlegen. Ich schleppe mich wieder Richtung Tanzfläche, nicht wirklich daran denkend, sie zu benutzen. Die Tanzband intoniert Andrea Berg. Ein guter Moment zur Toilette zu gehen und sich über die Körperöffnung, in die das Futter eingeführt wurde, von Selbigem zu entledigen. Ich übergebe mich prächtig. Danach geht es mir wieder richtig gut. Plötzlich bin ich auf der Tanzfläche, es geht mittlerweile auch etwas legerer zu. Barre Bräu-jawoll mein Herz ist erfreut. Ich nehme mich der Band an. Rufe immer mal wieder “Tiffanys”, eine geistreiche Anspielung auf die quälenden Jahre meines geistigen Übervaters Heinz Strunk in einer eben solchen Tanzband. Natürlich versteht mich keiner. Besser funktioniert schon die Konsultationen mit dem Drummer. Wir fabulieren über den Paradigmenstreit – akkustisches oder elektronisches Schlagzeug? Er schwört auf sein abertausende von Euro kostendes E-Drum. Ich will es nicht wahr haben, gebe mich aber auch als weitgehend Ahnungsloser zu verstehen.

Ich tanze mit Braut und Brautführerin, trete ihnen – wenn auch dezent – auf die Füße. Das ist nicht mein Sport, egal weiter gehts. Ich lerne Ulli kennen. Der gute Mann ist am Ende, aber zehn Wacholder-Schnäpse passen noch ins uns rein. Richtig zählen kann ich nicht mehr, die 20er Marke beim Bier ist aber auch schon überschritten. Auf der Tanzfläche gibt es noch manch bizarre Performanz, unter anderem einen Sockentanz der Brautführerinnen. Ulli fasselt ständig etwas über Hamburg, ich soll mit und sein Frau die Stadt zeigen. Natürlich willige ich ein. Ohnehin scheine ich jetzt dazu zu gehören. Man erinnert sich, dass ich bereits zweimalig zum Schützenfest aus der Großstadt extra gekommen bin. Wer in diesem Ort nicht im Schützenverein ist, gilt als gesellschaflich nicht tragfähig. Ich unterhalte mich mit einem weiteren Volltrunkenen. Es stellt sich raus, dass er eine Beziehung zu Schleswig hat, meiner Arbeitsstätte. Nur noch bedingt geistreich berichte ich über aktuelle Entwicklungen. Der gute Mann war dort einmal stationiert. Die Bundeswehr ist längst weg, muss ich ihm wiederholt mitteilen, stattdessen entsteht ein neuer Stadtteil. Ganz schön spannend was ich hier so tue, sagt mir meine innere Stimme. Sollte ich nicht längst ein weibliches Wesen verführt haben? Nein, auf diesem Terrain mache ich keine Punkte an diesem Abend, waren die Hoffnungen auch noch so groß. Ich bring das Ganze anständig über die Bühne. Taxi, Pension, Frühstück, Heimfahrt – das nächste erste Mal kommt bestimmt.

Verfasst von: hebblog | 19. Juni, 2008

Es geht weiter

Möge man mir die lange Untätigkeit verzeihen. Nach monatelangem Warten auf Fanbriefe, muss ich mir nun selbst einen Grund geben, diesen Blog weiterzuführen. Vielleicht ist es damit zu begründen, dass ich Urlaub habe und derzeit nichts zu schreiben habe. Aprops Schreiben. Endlich angekommen im Berufsleben habe ich diese Passion quasi zu meinem Lebensinhalt gemacht. Auszeiten wie die Jetzige gehen da nicht spurlos an einem vorbei. Jedenfalls passierte in den letzten Monate eine Menge. Nach anfangs negativen Erfahrungen und einem Pamphlet gegen die Ungerechtigkeit der Arbeitswelt, dass hier auf der Seite unvollendet nur eine kurze Verweildauer hatte, bin ich nur zum lokaljournalistischen Helden mutiert. Gern würde ich vom alltäglichen Wahnsinn zwischen Kaninchenzüchtern, Feuerwehren und Kleingärtnern berichten, aber mein Job bietet ungleich Spannenderes. So wäre von einem famosen Gespräch mit Jürgen Drews zu berichten oder einer herzlichen Umarmumng unseres Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen, die mir zuteil wurde. Kurzum: Es läuft richtig gut. Nun gut, Verganges soll solches bleiben. Richten wir den Blick ab sofort wieder auf die Gegenwart.

Verfasst von: hebblog | 23. August, 2007

Barcelona Pics

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Verfasst von: hebblog | 16. Juli, 2007

Auf nach “Sansibar”

Im nahenden August planen zwei bekannte Hauptdarsteller eine neuerliche Voyage. Letztjährig gleichsam geschichtsträchtig und pauschaltouristisch im Land zwischen Okzident und Orient erfolgreich unterwegs, wird die Destination diesmal Barcelona heißen. Obgleich die Hauptstadt Kataloniens für uns noch unbekannt ist, sicherlich keine Reise ins Ungewisse. Picasso, Ramblas, Nou Camp – Stichworte zu einer Metropole, die keiner vorherigen Recherche bedürfen.

Doch ist die Absicht erklärt, müssen weitere Schritte folgen. Flug und Unterbringung gilt es zu organsieren, den pragmatischen Erfordernissen unserseits angepasst. Die Budgethöhe wird recht willkürlich festgelegt, gleichsam erklärt, dass man ja angemessen in guter zentraler und trotzdem ruhiger Lage zu nächtigen gedenkt. Es folgt ein virtueller Spießroutenlauf über Buchungsseiten im Internet. Nichts auf dieser Welt kam mir bisher derart ungeordent vor. Und wenn einer der Beteiligten partout nicht verstehen kann oder will, dass Zimmerpreise unabhängig von der Personenzahl anzusehen sind, rückt die Entscheidung in weite Ferne.

Um die grundsätzliche Deklaration aber zu untermauern, buchen die Kosmopoliten erst einmal den Flug. Die üblichen Verdächtigen der Flotte der Billigbomber werden ins Kalkül gezogen. Um von Hamburg aus entschweben zu können, fällt die Wahl zwangsläufig auf “Air Berlin”, der Name sagt es ja bereits. Für einen ansprechenden Preis trifft der Kredikartenbesitzer seine Wahl. Die erfolgreiche Fluglinie wartet aber mit einer Überraschung auf. Anstatt darüber zu wählen, ob man nicht gegen Aufpreis einen größeren Sitzabstand wünscht, wie es bei dem üblicherweise eher an Folterwerkzeuge anmutenten Interiör wohl wünschenswert gewesen wäre, wird uns ein gar schmackhaftes Angebot gemacht. An pappige Sandwiches gewohnt, obliegt es dem Gast hier eine Wahl über eine Reihe so genannter Gourmetessen zu fällen. Reflexartig fällt die Wahl auf’s obligatorische Frühstück nach durchzechten Nächten. Wir freuen uns auf den Rückflug.

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Verfasst von: hebblog | 24. Juni, 2007

Kieler Woche

Wasser, Segelregatten, Maritimes eben. Die Kieler Woche wie man sie kennt. Nichts dergleichen gab es zu sehen für eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten an diesem Wochenende. Die sechs Herren (Christian, Kristian, Bernhard, Timo, Tobi und ich), eine Zusammenrottung aus Lüneburg und Hamburg findet verspätet den Weg zum größten nordeuropäischen Volksfest. Die größere Fraktion meint erstmal Gemütlichkeit bei einem amerikanischen Spezialitätenrestaurant walten lassen zu müssen, bevor man die wartente Abteilung auf einem Autobahnrastplatz ansteuert. Auch in Kiel ist die Wegfindung nicht optimal. Schließlich marschieren wir schwerbepackt im Gänsemarsch in eine Altbauwohnung, wo wir charmant empfangen werden. Das die Unterbringung aus Platzgründen schwierig ist und niemand so recht weiß, wo und wie er später nächtigen wird, interssiert nicht mal periphär. Wir wollen Gas geben.

Unsere erste Station ist ein Verbindungshaus. Einer unser Mitstreiter hat hier aus vormaligen Universitätszeiten eben diese Verbindungen, so dass ein kurzer Umtrunk eingenommen werden soll. Die Einrichtung, irgendwas zwischen Gaststätte, Vereinsheim und Jagdhütte und die Aufmachung der Anwesenden amüsieren mich. Egal, hauptsache der Alkohol fließt. Als wir schließlich an einer der Bühnen ankommen, ist der Pegel schon auf beachtlichem Niveau, die Sturmflut wird noch folgen, soviel ist sicher. Kristian wird die von mir mit Liebe zusammengemixte Wodka-Flasche entwendet, Empörung. Dennoch wird bierseelig mitgesungen zur obligatorischen deutschen Partymusik. Die Details verschwimmen mehr und mehr.

Die folgenden Stunden können in Kurzform abgehandelt werden. Wir ziehen weiter zur Eggerstedtstraße, die im Vorfeld reichlich glorifiziert wurde. Wir betreten wohl noch gemeinsam das gewählte Etablissement names Vinuyl, danach verlieren sich die Spuren der Gruppe zusehends. Die Feierlichkeiten sind ausgelassen, wir wandern mehrfach zwischen zwei Läden hin und her. Der Rückweg wird zur gekonnten Selbstinzenierung, wobei aus Selbstschutz hier keine weiteren Einzelheiten preiszugeben sind.

Gegen 7 Uhr kommen die letzten beiden Helden erschöpt am Ausgangspunkt wieder an. In der Behausung unserer freundlichen Gastgeberinnen mache ich noch Bekanntschaft mit allerlei Werkzeug, dass mir vor die Füße fällt, Hirschmedaillons aus dem Gefrierfach die ich unbedingt noch braten will und dem harten Untergrund, auf den es sich mehrfach verschlägt, weil ich in meinem schicken selbstaufblasenden Bett etwas rastlos bin. Kaum zur Ruhe gekommen, ermahnt uns Bernhard zur Abfahrt, Termine in Hamburg. Fazit: Wir kommen wieder…irgendwann.
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Verfasst von: hebblog | 19. Juni, 2007

PR Cafeteria

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Am vergangenen Wochenende weilte ich in Düsseldorf – Weiterbildungsseminar Sportjournalismus. Anreise schon am Freitag, unnötiger Stau in Hamburg, verfahren in Düsseldorf, so brauche ich sechs Stunden bis zum meinem kleinen Business Hotel. Ein Taxifahrer, der aussieht wie der Schwipsschwager von Rainer Calmund hilft mit rheinischer Mundart bei der Wegfindung. Ich schlafe schlecht, wache zu früh auf. So kann ich zwar ausgiebig frühstücken und Weißwürste verzehren, aber der Tag wird beschwerlich. Die Teilnehmer sollen die Sportseiten einer Tageszeitung erstellen. Dazu gibt es eine eigenständig zu recherchierende Geschichte und eine aktuelle in Düsseldorf.

Ich habe ein sportpolitisches Thema, dass mich sehr fordert und offenbart, dass ich nicht allen Bereichen ein Universalwissen habe, aber der kompetente Dozent hilft. Am Nachmittag geht es dann zum Football, zu Rhein Fire. Der Gegner kommt aus Hamburg und heißt Seadevils. Die Seeteufel haben mit Hamburg aber so wenig zu tun, wie ich an diesem Wochenende mit der Düsseldorfer Altstadt. In der Operettenliga NFL Europa spielen fast nur deutsche Teams mit amerikanischen Spielen, das Diktat kommt von den vermeintlichen Mächtigen aus der Profilliga diesseits des Atlantiks. Aber es ist ein Happening, der partyhungrige Zuschauer will das Spektakel und die Inzenierung, nur in zweiter Linie Sport.

Die Journalisten zu denen wir dank Akkreditierung hier auch zählen, scheinen sich dem voll und ganz anzupassen. Vielzählig vertreten verweilen sie schon zwei Stunden vor Kick-Off in einem Raum, der allerhand Schlemmereien bereithält. Außen findet sich der Schriftzug “PR Cafeteria” angebracht. Wie aufs Stichwort kommt eine Personengruppe vorbei, der Führer erzählt, dass sich hier immer die PR-Leute aufhalten. Ich wundere mich sehr, ist das hier der Treffpunkt der Hofberichterstatter und gibt es vielleicht noch einen kleinen, kargen Raum mit Wasserflaschen und Brotkorb für richtige Journalisten. Nein, das sind sie dann doch wohl alle, vollgefressene Reporter und Schreiberlinge. Ich bin einer von ihnen, habe mein Distanzgefühl aber noch nicht verloren.

Aber darüber brauche ich mir wahrlich keine Gedanken zu machen. Noch jetleg-geschädigt leide ich wie ein Hund. Totmüde fallen mir trotz Lärm ständig unterm Stadiondach die Augen zu. Missmutug versuche ich den Spielverlauf zu notieren. Von Nöten scheint dies nicht, nach jedem Viertel reicht ein Gehilfe umfangreiche Statistiken an die exponierte Medienzunft. Auch die Pressekonferenz gilt es noch zu überstehen. Ob Football oder Fußball, die Floskeln sind doch überall gleich. Wenigstens sind jetzt die Cheerleader in unmittelbarer Nähe als wir uns noch ein bisschen im Innenraum der Fluglinien-Arena bewegen und ich schließlich nach einem 13 Stunden-Tag zu meinem Hotel gebracht werde.

Verfasst von: hebblog | 14. Juni, 2007

Pictures from L.A.

Verfasst von: hebblog | 14. Juni, 2007

6000 Miles

Nach einer 19-stündigen Voyage bin ich gesund und munter wieder in Hamburg eingetroffen. Der Flug ging von L.A. nach London und dann weiter in die Hansemetropole. Dank einer freundlichen Flugbegleiterin fand ich einen Platz mit viel Beinfreiheit. Flime wie “Das Leben der Anderen” und ein Gespräch mit Goran, einem Serben, der in Las Vegas lebt und auch dem Weg nach Belgrad war, sorgten für Kurzweil auf dem Langstreckenflug. Eine tolle Woche in Hollywood nahm damit sein Ende.

Verfasst von: hebblog | 11. Juni, 2007

Student Academy Awards

Die Erwartungen waren groß, wenn man denn an diesen Tag dachte. Irgendwie überlagert von der Flut an Eindrücken fand am Sa. nachmittag in den Räumlichkeiten der Academy of Motion Picture Arts and Sciences die Verleihung der studentischen Würdenträger statt. Dort befindet sich angeblich das qualitativ beste Kino der Welt.

Angekommen macht sich Ernüchterung breit, kein roter Teppich und Medienvetreter. Stattdessen eine große Fraktion festlich gekleideter Deutscher, die nicht so recht ins Bild der sonstigen Besucher passen will. Die Einlasskontrolle gleicht der an amerikanischen Flughäfen. Mühsam überwunden lockt der V.I.P.-Bereich, allerdings nicht für Familie Hebbeln, die nicht auf der obligatorischen Liste stehen. Warum weiß man bis heuet nicht. So wird durstig dem Beginn der Zeremonie entgegengefiebert. Eilig wird noch Bekanntschaft mit der britischen Freundin meines Bruders und ihrer in L.A. lebenden Familie gemacht.

Die Verleihung im nicht vollen riesigen Kinosaal wird zum zähen Unterfangen. Über zehn Preise in fünf Kategorien werden verliehen, längere Ausschitte gezeigt und nervöse aber sehr ehrliche und persönliche Reden vorgetragen. Amüsant allemal die holprigen Versuche asiatischer Filmstudenten, die an amerikanischen Filmhochschulen studieren und für ihre Dokumentationen und Animationsfilme geehrt werden. Da wird so häufig seiner Frau, seinen Eltern, ja der ganzen Familie gedankt, dass man an Ende gar nicht weiß, wen man nun eigentlich beklatscht.

Als Zeremonienmeister fungiert Sid Ganis, Präsident der Academy, unterstützt von den Honoratoren Schauspielerin Zoe Deschanel und John Landis (Regisseur u.a. von Blues Brothers). Ihr launigen Kommentare und Ansagen helfen die nicht enden wollende Verleihung zu meistern. Voraussgesetzt man versteht Englisch jenseits touristischer Floskeln. Unser Deutscher Film “Nimmermeer” läuft als letztes, in voller Länge mit Untertitel, das Kino hat sich bereits merklich geleehrt. Die Verbliebenen werden nicht enttäuscht und loben das Werk nach dem Abspann vielstimmig. Einer der Schulterklopfer gratuliert sogar mir. Ein weiterer gibt mir auf der Toilette seine Karte. Er faselt etwas von einem Film, den er mit dem Team meines Bruder drehen will, in der es um einen brühmten Hund namens Falco geht. Näheres ist nicht überliefert, der Herr, den ich kaum verstehe wird als Schauspieler dritter Klasse abgetan. Bilder vor übergroßen Oscar-Statuen mit Crew und Familie, die wohl als Einziges an den Zusammenhang zur großen Academy Award-Show erinneren, runden die Veranstaltung ab. Der grandiose Erfolg von Toke bleibt unangetastet.

Nun aber soll so richtig losgehen, so denke ich. Eine echte Hollywood-Party, Glamour, tolle Leute, Schlemmen auf höchstem Niveau, Alkohol in Strömen. Stattdessen wird uns ein müder Empfang im Renaissance Hotel geboten, mit ein paar Häppchen, die ganz schnell aus sind. Keine Musik, keine Party. Aber auch so finden sich nette Gesprächspartner. Im Nachhinein offenbart sich noch die Anwesenheit des oscarprämierten Verantwortlichen der Special Effects in ”Independence Day”. Dennoch, dass ich mal gemeinsam mit meinen Eltern eine Festivität verlassen würde, spricht Bände.

Aber wer würde es wagen einen Abend zu beschließen, wenn noch der Hollywood Boulevard zwischen einem und dem Hotel liegt. Hier unterhalten untalentierte Schausteller als Shrek, dicker Elvis oder Darth Vader verkleidet, die Massen und das 24 Stunden. Den Klauen Freddy Krügers entkomme ich, nicht aber vier jungen Amerikanerinnen. Ihr Auftritt erinnert an unsägliche Junggesellinnen-Abschiede. Auf einer lange Liste stehen Aufgaben, zu deren Erfüllung ich auserkoren wurde, indem ich spontan ein Lied zum Besten geben soll. Ich oute mich als Deutscher, ansonsten herrscht Ratlosigkeit, will mir beim Anblick der einen Dame und ihrer Reize doch partout nichts einfallen. Schließlich intoniere ich die deutsche Nationalhmyne, Strophe 3. Trotz mieser Sangeskunst sind die Einheimischen begeistert, man schlägt ab mit “high five”.  Die ganze Szenerie fiel im Angesicht der uns umgebenden Freakshow nicht einmal auf. Noch eine Kreuzung ist zu überwinden, das Hotel türmt sich vor mir auf, geschafft…

Hier ein Video-Mitschnitt der Rede von Toke Constantin Hebbeln, meinem Bruder

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