Hey Folks,
America America, i am glad to be here. Seit gestern (hier ist noch Mittwoch abend) nun verweile ich im Städte-Konglomerat Los Angeles. Nach 20-stündiger Anreise mit Zwischenstopp in der Windy City Chicago erreichten wir am Dienstag nachmittag Orstzeit unser einwöchiges Domizil.
Unsere Residenz in den Hollywood-Hills verdreht das gemeinhin gültige amerikanische Prinzip. Denn hier ist mehr Sein als Schein. Von außen reichlich abgewrackt, entfalten die Apparments, ich hab ein eigenes, von innen durchaus ein Gefühl von Behaglichkeit. Viel Platz, eine kleine Küche, ein großes Bett und alles sauber. Die Protagonisten sind zufrieden.
Trotz des Stresses der 20-stündigen Anreise war noch genügend Elan für einen „walk“ zum quasi vor der Haustür liegenden Hollywood Boulevard vorhanden. Nur kurz streift unser Blick die Sterne des „Walk of fame“, stehen wir doch sehr schnell vor der ersten Absperrung und Security. Das sind die USA, wie ich sie mir vorgstellt habe, unfrei. Doch bevor ich ein Loblied auf meine Heimat jenseits des G8-Zaunes anstimmen, kann, komme ich in der Realität an. Denn das hier ist Hollywood, ich sehe keine Gangster, keine Maschinenpistolen. Vielmehr einen endlosen roten Teppich, eine Tribüne und parkende „Limos“. Natürlich: Dieses Brimborium wird hier regelmäßig den cineastischen Größen zu Liebe inseniert. Das einfache Volk, wobei Touristen weder optisch und verhaltensbedingt herausstechen, nimmt die Vorlage dankend auf und verharrt an den Gittern. Hier ist wohl jeder Tourist oder Besucher, denn einem Bewohner würde dieser Zirkus wohl kaum auf die Straße treiben. Ocean 13 wurde dieses Tages vor wohl ausgewähltem Publikum als Premiere auf die Leinwand geworfen.
Nach einem lukullischen Mahl in einem feinen Lokal des Promi-Kochs Wolfgang Puck im „Hollywood and Highlands“, einem Triumpfzug moderner Geschäfts-Architektur mit großer Galerie, wollen auch die Deutschen die Stars mal von Nahem sehen. Geduldig wartet man mit Hunderten von Schaulustigen, dieses Wort muss man sich in diesem Kontext einmal auf der Zunge zergehen lassen, auf die Helden. Offenkundig werden sie gleich aus dem „Chinese Theater“ das Bad in der Menge antreten. Werde ich eine Hand schütteln, ein Autogramm kriegen? Jetzt bin ich einer der Leute, denen ich immer mit soviel Verachtung gegenüberstand. Ein kurzer Plausch mit einem Sicherheitsmenschen und die Beobachtung nervöser Japaner verteibt die aufkommende Langeweile.
Nun kommen sie, kein Ende nehmen wollend, in Scharen über den roten Teppich langstolziert. Eín Jahrmarkt der Eitelkeiten. Wir sehen wohl gerade die hippe Szene von L.A. und die neuste Mode. Zu interessieren scheint das allerdings Niemanden. Beachtung verdienen nur die, die man aus den Medien kennt, das wird sofort klar. Man hört Rufe, die den verzweifelten Wunsch zum Ausruck bringen, dass sich endlich jemand als Berühmtheit offenbart. Denn die ist in Hollywood eine Tugend für sich. Nach und nach, versteckt in der Menge, schreiten nun „Stars“ an uns vorbei. Die Rufe werden lauter, die Heroen recken kurz die Hände und schauen desinteressiert in die Reihen ihrer unbewusst Untergebenen. Who’s the black guy?, frage ich eine junge Dame, die mittlerweile auf ein Absperrungsgitter zu klettern versuchte. „Bernie Mack, he’s comedian. He has his own TV-show“. „Never heard of him“, kann ich nur entgegen. Sie wendet sich ab, ich habe mich disqualifiziert. Aber dann kommen auch die Akteure, die ich kenne: Matt Damon, Andy Garcia, George Clooney. Letzterer, weltweit hysterisch von der Frauenwelt umschwärmt, wirkt erwartungsgemäß kleiner und unscheinbarer als in der Television. Gekreische.
Aber gut, ich habe George Clooney gesehen. Mit der Geschichte kann ich zu Hause bei den Damen ordentlich Eindruck schinden, so denke ich. Und während ich noch darüber siniere, wie sich das eben Erlebte auf zukünftigen Provinz-Partys in bis dato erfolglose Kennlern-Strategien umsetzen lässt, ist der Tross auch schon an uns vorbei gerauscht. Die Wichtigen und die, die es sich leisten können, besteigen die übergroßen Mobile, hinter deren dunklen Scheiben ich nun auch mal gerne einen Blick werfen würde. Auf Umwegen geht es für uns zurück ins Hotel. Jetzt bin ich wohl tatsächlich angekommen in der Welt, die wir gerne in ihrer Bedeutung überhöhen. Nicht George Clooney erwärmt dabei mein Herz, sondern das vetraute und schöne Gefühl des Fremdartigen an diesem Ort.