Verfasst von: hebblog | 19. Juni, 2007

PR Cafeteria

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Am vergangenen Wochenende weilte ich in Düsseldorf – Weiterbildungsseminar Sportjournalismus. Anreise schon am Freitag, unnötiger Stau in Hamburg, verfahren in Düsseldorf, so brauche ich sechs Stunden bis zum meinem kleinen Business Hotel. Ein Taxifahrer, der aussieht wie der Schwipsschwager von Rainer Calmund hilft mit rheinischer Mundart bei der Wegfindung. Ich schlafe schlecht, wache zu früh auf. So kann ich zwar ausgiebig frühstücken und Weißwürste verzehren, aber der Tag wird beschwerlich. Die Teilnehmer sollen die Sportseiten einer Tageszeitung erstellen. Dazu gibt es eine eigenständig zu recherchierende Geschichte und eine aktuelle in Düsseldorf.

Ich habe ein sportpolitisches Thema, dass mich sehr fordert und offenbart, dass ich nicht allen Bereichen ein Universalwissen habe, aber der kompetente Dozent hilft. Am Nachmittag geht es dann zum Football, zu Rhein Fire. Der Gegner kommt aus Hamburg und heißt Seadevils. Die Seeteufel haben mit Hamburg aber so wenig zu tun, wie ich an diesem Wochenende mit der Düsseldorfer Altstadt. In der Operettenliga NFL Europa spielen fast nur deutsche Teams mit amerikanischen Spielen, das Diktat kommt von den vermeintlichen Mächtigen aus der Profilliga diesseits des Atlantiks. Aber es ist ein Happening, der partyhungrige Zuschauer will das Spektakel und die Inzenierung, nur in zweiter Linie Sport.

Die Journalisten zu denen wir dank Akkreditierung hier auch zählen, scheinen sich dem voll und ganz anzupassen. Vielzählig vertreten verweilen sie schon zwei Stunden vor Kick-Off in einem Raum, der allerhand Schlemmereien bereithält. Außen findet sich der Schriftzug „PR Cafeteria“ angebracht. Wie aufs Stichwort kommt eine Personengruppe vorbei, der Führer erzählt, dass sich hier immer die PR-Leute aufhalten. Ich wundere mich sehr, ist das hier der Treffpunkt der Hofberichterstatter und gibt es vielleicht noch einen kleinen, kargen Raum mit Wasserflaschen und Brotkorb für richtige Journalisten. Nein, das sind sie dann doch wohl alle, vollgefressene Reporter und Schreiberlinge. Ich bin einer von ihnen, habe mein Distanzgefühl aber noch nicht verloren.

Aber darüber brauche ich mir wahrlich keine Gedanken zu machen. Noch jetleg-geschädigt leide ich wie ein Hund. Totmüde fallen mir trotz Lärm ständig unterm Stadiondach die Augen zu. Missmutug versuche ich den Spielverlauf zu notieren. Von Nöten scheint dies nicht, nach jedem Viertel reicht ein Gehilfe umfangreiche Statistiken an die exponierte Medienzunft. Auch die Pressekonferenz gilt es noch zu überstehen. Ob Football oder Fußball, die Floskeln sind doch überall gleich. Wenigstens sind jetzt die Cheerleader in unmittelbarer Nähe als wir uns noch ein bisschen im Innenraum der Fluglinien-Arena bewegen und ich schließlich nach einem 13 Stunden-Tag zu meinem Hotel gebracht werde.


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