Das wird dann also schon wieder eine „Meine erste…“-Geschichte. Diesmal im Programm: ein sportives Highlight der Extraklasse, die ultimative Herausforderung für von Testosteron-Überschuss Geplagter. Eine Sportart, die es früher nicht gab, die Leute erfanden, den alles Bestehende nicht genug war. Triathlon. Mittlerweile olympisch. Und siehe da, mein erster Triathlon fällt just in die Zeit der Perfektionsspiele Beijings. Während Phelps und Bolt pharmazeutisch zu Leistungs-Mutanten aufgepimpt die unkritischen Massen verzückten, trainiert an einsamen Abenden in der Abgeschiedenheit einer schleswig-holsteinischen Provinzstadt ein leicht übergewichtiger Kopfmensch seinen zu lange vernachlässigten Körper. Vier Wochen beträgt die Trainingszeit. Erhebungen bietet meine Heimat nicht, Höhentrainingslager fallen damit aus. Man besorgt sich das nötige Equipment und allerlei Ratschläge des Mitstreiters. Das muss reichen. Gleichzeitig sieht man sich mit ungläubigen Fragen in seinem Umfeld konfrontiert: „Ist das euch beim Saufen eingefallen?“ Die Unwissenden. Nein, hier steht ein Heroe mit einem seriösen Ziel. Ganz im Sinne Olympias. Dabei sein ist alles. Und anzukommen noch viel mehr. So gebe ich mich dem Kampf mit mir selbst hin, lauf fast allabendlich über ein leerstehendes Kasernengelände. Spät abends zumal häufig in der Dunkelheit ereilen mich in kurzen Schüben Gedanken an die Einsamkeit des Athleten. Das große Ziel vor Augen, verbessere ich meine Leistungsfähigkeit, nie wissend was wirklich auf mich zukommen würde.
Der große Tage ist da, im Oktober des Jahres 2008 B. C. Instruktion nach Hause, moralische Unterstützung wird einfgefordert. Ein ehemaliger Jugendnationalmannschaftsturner holt mich früh morgens ab. Papa hat ein schnelles Automobil. Die Fahrt nach Celle muss auch schnell gehen. Man ist mal wieder spät dran. Anweisungen per Telefon sorgen für Entspannung. Meine Startunterlagen werden vor Ort schon abgeholt, während wir noch über die A7 fliegen. Kurz nach 9 Uhr Ankunft im Stadion. Über 700 Teilnehmer, ein Spektakel. Orientierungslosigkeit bei mir, wohin, wer, wie, was??? In der Wechselzone aber ist mein Platz, das Fahrrad wird platziert. Fußweg zum Start. Der Amateur hat keine Schuhe hierfür. Gesichtsverrenkungen beim Gang über spitze Steine. Bernhard, erprobter Triathlet aus früheren Jahren, zeigt sich – für ihn völlig ungewohnt – als Altruist. Ich bekomme sein Schuhwerk. Da ist er nun plötzlich, der Ort der mir schlaflose Nächte bereitete. Die Aller. Ein kleines harmloses Flüsschen mit laut Internet 19 Grad Wassertemperatur an diesem Tag. Zumindest strahlt die Sonne. Der Startrichter ermahnt noch 2 Minuten bis zum kollektiven Drauflosschwimmen. Einen Fuß setze ich ins Wasser. Um mich rum Profis in Schwimmanzügen. Ich in Badehose, wie ein Camping-Urlauber. Ein unfassbar hässliches Unikat. Das man micht nicht auslacht, erscheint geradezu paradox. Aber egal, ich habe wahrlich genug mit mir selbst zu tun. Jetzt stehe ich schon bis zur Hüfte im Wasser, zittere und jammere.